Der Spiegel: "Der große Gebühren-Schwindel" (21. Mai)

Interessant zum Thema Studiengebühren finde ich den gestern in Spiegel-Online veröffentlichte Artikel "Verheizte Campusmaut - Der große Gebührenschwindel" (Teil 2: "Ehrliche Worte zu einem unfairen Spiel: 'Wir fahren das Angebot zurück und bieten es dann aus Studiengebühren wieder neu an'."). Äußerst merkwürdig nur, dass dieser "Schwindel" erst jetzt allmählich ins Gerede gerät - uns Studenten war dies im Grunde ja schon im Vornherein klar, dass sich konkret nichts wesentlich verbessern würde...! Die Studiengebühren werden offenbar als Stopfen bereits bestehender Haushaltslöcher gesehen - zusätzlich kürzen die Länder die Gelder für die Hochschulen.

"Erst mal her mit der Knete
So stecken beispielsweise die Uni Göttingen, die RWTH Aachen und die Uni Hannover erst einmal Gebührengeld in Steine, Holz und Beton. In Göttingen werden Hörsäle saniert, und es wird ein Gebäude umgebaut, um zusätzliche Lehrräume zu bekommen. Das kostet vier Millionen Euro. Eigentlich ist Hochschulbau Sache der Länder." (Quelle: Spiegel-Online, 21. Mai 2007)

Merkwürdig - auch die Uni Konstanz ist zur Großbaustelle mutiert, wie ich an anderer Stelle bereits berichtet hatte. Unter den Pressemitteilungen der Universität ist darüber aber nichts konkretes zu finden, geschweige denn, wie bspw. der Umbau des Audimax finanziert wird oder wieviel dies die Uni (oder besser: die Studenten) kosten wird! Der einzige Hinweis auf den groß angelegten Umbau des Audimax findet sich in einer Ankündigung des Universitätsorchesters:

"Da das Audimax der Universität Konstanz derzeit für einige Monate zur großen Baustelle geworden ist, zieht das Universitätsorchester mit seinem nächsten Sinfoniekonzert am Montag, 5. Februar, in die Nachbarschaft um." (Quelle: Pressemitteilung der Universität Konstanz, Nr. 19 vom 29.01.2007)

Die Politik und die Universitäten selbst behaupten natürlich weiterhin, die Gebühren würden ausschließlich zur Verbesserung der Lehre eingesetzt: "Die Universität Konstanz wird die Einnahmen aus Studiengebühren zur Verbesserung der Studienbedingungen und zur Stärkung der Lehrqualität verwenden." (Quelle: www.uni-konstanz.de, Zugriff am 22. Mai 2007)

"'[...] Schließlich geht es darum, die Studiengebühren nicht nach den Gießkannenprinzip zu verteilen. Sehr effizient sollen die Studiengebühren genau dort eingesetzt werden, wo sie wirklich gebraucht werden und den Studierenden zu Gute kommen', so Prof. Dr. Dr. h.c. Gerhart von Graevenitz, der Rektor der Universität Konstanz." Nebenbei wird eingeräumt: "[...] außerdem stehen auf dem Programm auch die verbesserte Ausstattung der Praktikaräume und die Hörsaalerneuerung." (Quelle: Pressemitteilung der Universität Konstanz, Nr. 113 vom 31.07.2006, Hervorhebung durch den Autor).

Ein voraussichtliches Etat von rund 200'000€ sieht ein Informationsflyer des AStA (siehe Scan als PDF im Anhang) für den Kostenpunkt "Raumausstattung" vor. Identische Zahlen sind auch über die Website der Universität abrufbar - nebenbei mit der Betonung auf bereits geschaffene "Verbesserungen", versteht sich. Dieses Geld wird aber mit Sicherheit nicht für die anstehenden Umbauarbeiten ausreichen. Wie die einzelnen Gelder also verteilt werden, darüber informieren zumindest einzelne Fachbereiche, wie z.B. der FB Politik- und Verwaltungswissenschaften. Wie sich aber die Finanzierung einzelner Projekte zusammensetzt, was der liebe Vaterstaat und was der Student nun aus eigener Tasche finanziert, ist aus den bisher betrachteten Publikationen an keiner Stelle ausreichend ersichtlich.

"Wie die [kreative Haushaltsführung] funktioniert, zeigt das Beispiel der Uni Freiburg. Diese hatte bereits 2006 in Erwartung der Einnahmen aus den Studiengebühren 1,5 Millionen Euro aus dem Haushalt für Studium und Lehre in den Forschungshaushalt umgebucht. Im diesjährigen Haushalt kürzte Freiburg komplett die Mittel für Tutorien, Exkursionen und Lehraufträge - diese werden jetzt aus Studiengebühren bezahlt. Das gesparte Geld kommt Geräten für die Forschung zugute. Zu solchen Umschichtungen sind die Hochschulen in Baden-Württemberg sogar per Gesetz gezwungen, wollen sie nicht an anderer Stelle große Löcher reißen." (Quelle: Spiegel-Online, 21. Mai 2007)

Bezüglich der allgemein verfügbaren Informationen über die Mittelverwendung aus den Studiengebühren und die Hochschulfinanzierung allgemein muss also, zumindest aus meiner Sicht, noch einiges Geschehen, um mehr Transparenz zu schaffen!!

Die Diskussionen um die Studiengebühren sind also bei Weitem noch nicht abgehakt oder vergessen, auch wenn das Thema an der Uni-Konstanz (und sicherlich auch anderen kleineren Uni's) stark in den Hintergrund gerückt scheint. Aber was sollten die Studenten als "machtlose Gebührenzahler" (Spiegel-Online) gegen diese Abzockerei, wie man dies durchaus nennen sollte, unternehmen? Sicherlich: die Diskussion und das Schreiben darüber alleine hilft nicht! Aber die Leute müssen darauf aufmerksam gemacht und immer wieder daran erinnert werden: die Studiengebühren haben uns nichts gebracht - außer weitere Schulden für die Studierenden und eine noch undurchsichtigere Hochschulfinanzierung!

Ergänzung (24.5.07):

Und selbst dies ist noch nicht genug! Wie auch andere Stimmen sagen, sehen sich die deutschen Studierenden noch nicht ausreichend in der Verantwortung, ihre Rechte auch einzufordern, für die bezahlten Gebühren auch eine konkrete Leistung und Verbesserung zu verlangen. Hier muss sich also noch kräftig was tun!

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