Schlechte Nachricht: Es nahet der 15. August...

...zwei Wochen nach dem schweizerischen Nationaltag. Und was ist so spektakulär an diesem Datum? Wer an der Uni-Konstanz studiert und sich wenigstens hin und wieder ein paar Gedanken um seine Finanzen machen muss, der wird dieses Datum nur allzugut kennen: die Studiengebühren ( :attention: 587,70€ insgesamt) für das Wintersemester 2007/08 sind dann nämlich spätestens fällig! Das zweite Semester mit Studiengebühren also. Knapp 600€ sind es inkl. weiterer Verwaltungsgebühren an der Uni-Konstanz, keine kleine Summe, wie wir unlängst wissen. Wer nicht zahlt, dem flattert recht bald die Exmatrikulation per Brief ins Haus. Mal sehen, wie ich diesmal dieses Geld noch auftreibe... :sick: in einer Woche ist es ja bereits soweit :sick:

Die "Verbesserung der Lehre"

Und was hat sich getan im Sommersemester 2007? Haben die 500€ mehr, die wir Studenten nun je Semester bezahlen müssen, etwas gebracht? Bereits zum Semesterbeginn berichtete ich von den mageren "Verbesserungen", die man an unserer Uni bemerken konnte. Und auch nach dem Semester sieht die Bilanz für mich (nach wie vor) traurig aus. Neue und teure Mülleimer mit riesigen Aschenbechern hat die jetzt rauchfreie Uni Konstanz - und eine riesige Baustelle ist aus ihr geworden. Ein neues Gebäude für das Exzellenzcluster 16 "Kulturelle Grundlagen von Integration" entsteht, das Audimax* ist schon seit vielen Monaten eine Großbaustelle und an vielen anderen Orten scheint es, als würde die Uni Vollsaniert. Neue Terassen, neue Fassade - eine richtige Exzellenz-Uni eben? :-D

In meinem Fachbereich (Wirtschaftswissenschaften)? Viel hat sich ja nicht getan. Zumindest bekommt man kaum merklich etwas von einer möglichen Verbesserung der Lehre mit. Täusche ich mich? Nicht einmal die Klausurdaten der Klausur-Nachtermine zum Oktober-Anfang stehen bislang fest - die Haupttermine wurden ca. 3-4 Wochen vorher angekündigt, während in anderen Fachbereichen sowohl der Haupt- als auch Nachtermin mit der ersten Vorlesung im Semester feststeht. Weitere Beispiele gäbe es zu nennen - nur eben noch nicht für aufgefallene "Verbesserungen der Lehre" im Fachbereich.

(*Eine Pressemitteilung über den Umbau oder die weiteren umfassenden Sanierungsmaßnahmen sucht man vergebens, es wird am Rande (im Zusammenhang einer Aufführung des Unichor's) erwähnt, wie bereits berichtet.)

Die Bibliothek als Spitzenreiter der Neuerungen - auch bei den Gebühren!

Die Universitätsbibliothek Konstanz hat sich hingegen richtig ins Zeug gelegt. Hier sind mir auch tatsächlich Verbesserungen aufgefallen, im Gegensatz zu dem Fachbereich, an dem ich studiere (kann natürlich sein, dass andere Fachbereiche "besser abgeschnitten" haben). In der Universitätsbibliothek Konstanz gibt es nun neue Computerterminals von Sun (die alten Computer, die noch immer funktionierten, schmiss man wohl weg :loudcry: ), die Fernleihe ist (unter bestimmten Umständen) für Studenten nun komplett kostenfrei. Darüber hinaus gibt es viele weitere neue und kostenlose Angebote für Studenten: z.B. freien Zugang zu Online-Anwendungen wie Refworks oder freie Software für die eigene Literaturverwaltung (Bibliographix) :flowers: . Auch gibt die Bibliothek an, einzelne Buchanschaffungen mit einem speziellen Siegel zu kennzeichnen ("Finanziert durch Studiengebühren"), allerdings ist mir bisher noch ein solches Buch in meine Hände geraten :blush: . Nehmen diese Services auch entsprechnend viele Studierende wahr?

Für diese umfassenden Neuerungen kassiert die Bibliothek allerdings nicht nur einen ansehenlichen Anteil der Studiengebühren, sondern sie erhob zum Jahresbeginn eine Gebühr von 56€/Jahr für die rund 2000* externen Benutzer zusätzliche Gebühren - auf Wunsch der Studierenden? Ja, genau, so schreibt zumindest Frau Petra Hätscher, Direktorin der Bibliothek, in *"Bibliothek aktuell", Heft 85 vom 16. April 2007 (PDF, S. 17ff.). Ohje... Wer bitte sitzt da im Senat?

Der Wunsch der Studierenden wird es sicherlich nicht gewesen sein, überhaupt Gebühren einzuführen! Vielmehr wird die Absicht dieses genannten Änderungsantrag zur Erhöhung der Gebühren darin gelegen haben, von jedem Nutzer der Bibliothek die gleichen Gebühren einzufordern, ob nun im Wortlaut berechtigt oder nicht. Die "Studierendenmeinung" wird also vom Senat entgegen genommen, sollange sie Geld einbringt. Betont wird jedenfalls, dass es der Wunsch der Studierenden sei, eine hohe Gebühr einzufordern. Laut einer Pressemitteilung vom 1. August senkt die Bibliothek - als Reaktion auf die laut gewordene Kritik - ab sofort die Benutzungsgebühren für Externe auf . Somit werden die Studierenden also auch weiterhin mehr bezahlen als Externe (sofern die Rechnung von 56€ stimmt, die Studierende jährlich an die Biblitohek beitragen). Wer entschied nun diese Gebührensenkung? Wird es dadurch gerechter? Und: wer finanziert die entsprechenden Ausfälle dieser sehr kurzfristigen Änderung?

Vereinzelte Verbesserungen für 500€ pro Semester?

Es sind also vereinzelt tatsächlich Verbesserungen wahrzunehmen. Doch werden auch viele der Verbesserungen als solche ausgegeben, obwohl die Kosten in früheren Hochschulfinanzierungsplänen einmal gedeckt waren. So werden vielerorts Verbesserungen der Lehre ("Finanziert durch Studiengebühren") angepriesen, die eigentlich nur die Löcher stopfen, die durch die jüngsten Einsparungen des Landes erst entstanden sind. An anderen Stellen werden die Gelder dagegen sinnlos verschwendet - bestes Beispiel hierfür sind ja auch die neuen Mülleimer, die nicht nur mir aufgefallen sind. Eine Auflistung aller unschlüssigen Punkte sehe ich hier jedoch unangebracht.

Die Frage bleibt allerdings: rechtfertigen diese mageren Verbesserungen eine Semestergebühr von 500€ bzw. 1000€ pro Studienjahr zusätzlich zu den bisherigen Gebühren? Sollten wir Studenten die Uni bzw. unser Land mit dieser Hochschulfinanzierungspolitik einfach gewähren lassen? Wie sollen die eingenommenen Gebühren verwendet werden? Darf sich das Land einfach so (über Umwege) aus der Hochschulfinanzierung zurückziehen?

Tiefgreifende Fragen, die seit langem im Raum stehen - und noch immer eine Antwort schuldig geblieben sind.

Studiengebühren-Boykott als eine mögliche Lösung?

Doch Widerstand regt sich, wenn auch merklich träge. An manchen Orten wird nun wieder von Studiengebühren-Boykott gesprochen, um Druck auf die Universitätsleitung auszuüben. Doch werden solche Aktionen Erfolg haben? Eine Abschaffung der bereits geplanten Gebühren wird wohl kaum mehr möglich sein, richtig.

Boykott? Keine schlechte Idee, doch alles kann man damit sicherlich nicht erreichen. Ein Boykott sollte, wenn er denn erfolgreich sein sollte, sich darauf Konzentrieren auf die Uni und vor allem auf die Länder Druck auszuüben, denn mit der derzeitigen Verwendung der Studiengebühren sind viele, wenn nicht die meisten Studenten nicht einverstanden bzw. finden die "Verbesserungen" nicht ausreichend für eine semesterweise zu entrichtende Gebühr von 500€!!

Leider mangelt es offenbar an Mut und an der Initiative, auch riskante Aktionen in Angriff zu nehmen. In dem oben verlinkten Forum, in dem aktuell über einen möglichen Boykott diskutiert wird, schrieb ich gestern unter anderem:

[...] Natürlich, ob ein Boykott wirklich erfolgreich sein wird, ist fraglich, allein schon weil ähnliche Aktionen in KN wie auch an vielen anderen Unis (wo die Beteiligung vermutlich auch größer war?) nicht wirklich erfolgreich waren. Was man damit aber erreichen kann: Gespräche und Diskussion - und falls sich nicht nur 50 Leute an der Sache beteiligen erreicht man vielleicht auch mehr: Aufmerksamkeit, und genau DARAN fehlt es nämlich. Die Arbeit in den Fachschaften, etc. gehört da natürlich auch dazu, aber es ist eben nicht alles! Man muss die Gespräche suchen, Diskussionen anregen und vielleicht auch mit etwas riskanteren Aktionen Aufmerksamkeit wecken. Würde die Greenpeace nicht mit riskanten Aktionen auf sich aufmerksam machen, dann wäre sie vermutlich nicht mal halb so erfolgreich. Gut, der Vergleich hinkt auch ein bisschen. Mit einer einmaligen Diskussion ist es jedenfalls nicht getan - daran scheiterten vermutlich auch die bisherigen Aktionen.

Viele der an der Diskussion Beteiligten stehen einem möglichen Boykott sehr skeptisch gegenüber - das Risiko sei wohl einfach zu groß. Auch ich bin skeptisch, ob ein wirklicher Boykott zustande kommen kann, doch bloßes Anzweifeln des Erfolgs einer solchen Aktion, mit Untätigkeit in Folge, hilft noch weniger. Es ist gar kontraproduktiv! Mein Standpunkt hierzu: Es geht nicht nur darum, ob ein entsprechender Boykott erfolgreich sein wird. Es geht darum Aufmerksamkeit zu erreichen, bei allen Beteiligten sowie auch nicht direkt Betroffenen. Studiengebühren-Boykott? Wenn ja, dann jetzt - und nicht dann, wenn alle anderen "friedlichen" Versuche gescheitert sind, auf die Hochschulfinanzierung mehr Einfluss als derzeit zu nehmen. Wir haben uns schon zu viel widerstandslos gefallen lassen!

Scheitern werden voraussichtlich die Aktionen, die einfach deshalb nicht unterstützt werden, weil man an deren positivem Ausgang zweifelt. Wir ehemaligen Studiengebührengegner haben schlichtweg zuwenig Aufmerksamkeit erreicht! Heute stehen wir wieder am Anfang: Zuwenig wird in der Öffentlichkeit über die (vorläufigen) Ergebnisse der Studiengebühren diskutiert - widerhole ich mich eigentlich? Gut möglich, aber viele haben es wohl immer noch nicht verstanden, worum es geht.

Dennoch: viele Fragen sind offen geblieben, obwohl dieser Blogpost einmal mehr länger wurde als geplant.. Vielleicht habt Ihr weitere Anregungen zu dem Thema? Kritik?

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